Beitrag zur kirchlichen Kunst

Schlüsselerlebnisse

Als Fredi Kobel im Alter von 20 Jahren in Arosa an Tuberkulose erkrankte, fiel einer Krankenschwester eine Skizze mit Christuskopf und Dornenkrone in die Hände. Sie zeigte sie einem Pater, der das Blatt in einer Zeitschrift drucken liess. 

 

Ein weiteres ermutigendes Erlebnis war der erste Preis bei einem internationalen Wettbewerb zum Thema Bibelillustration. Beim Studium in Paris – bereits mit seiner Frau Ida – fand er sein Thema in den mittelalterlichen Kirchenfenstern.

 

Das Interesse an der großflächigen Gestaltung sakraler Räume war geweckt. Ende der 50er Jahre konnte Fredi Kobel erste Fresken und Glasmalereien realisieren. In diese frühe Zeit gehört das Fresko «Arche Noah» im St. Galler Pfarreiheim St. Mangen. 

 

Der erste grosse Auftrag war 1963 die Gestaltung der Chorwand in der Kreuzkirche Wil, wobei er den Wettbewerb mit einer Arbeit zu den Gleichnissen gewann..

 
Quelle: Andreas Schwendener, Kirchenbote, 4/2011
Quelle: Andreas Schwendener, Kirchenbote, 4/2011

Gewissheit der Erlösung
Fredi Kobel hatte das Glück, in eine Zeit hineingeboren zu werden, in der vor allem in den neu entstandenen Diasporagemeinden des ehemaligen Fürstenlandes und in St. Gallen wieder reformierte Kirchen gebaut wurden. Zudem wich in dieser Zeit die Bilderfeindlichkeit der Protestanten einer Aufgeschlossenheit gegenüber moderner Kunst. Manch nüchternen Predigtraum verwandelte Fredi Kobel mit seinen präzise gesetzten Glasfenstern in einen sakralen Raum, so die St.Galler Kirchen Grossacker, St.Georgen, Riethüsli, St.Mangen oder die Kapelle im Bürgerspital, um nur einige zu nennen.

Völlig frei war Fredi Kobel bei der Gestaltung der sieben Fenster der evangelischen Kirche Diepoldsau. Er wählte die sieben Ich-bin-Worte Jesu aus dem Johannes-Evangelium. Von seiner religiösen Herkunft her orientierte sich Fredi Kobel an der pietistischen Mystik, durch seinen Freund Ferdinand Gehr lernte er auch Teresa von Avila schätzen.

Gewissheit der Erlösung
Seine Gewissheit von der verheißenen Erlösung und ihrer Einordnung in die ganze Heilsgeschichte fand später ihren Ausdruck in den drei großen Glasfenstern der evangelischen Kirche Rehetobel. Die Fenster zeugen von einem eigenständigen Zugang zu den drei Aspekten Gottes, zur Trinität. In zartem Farbenspiel hat Fredi Kobel seine Sicht auf das Ganze des Lebens aus biblischer Perspektive entworfen, die durch ihre Reduktion und allgemeine Verständlichkeit besticht und alle konfessionellen Schranken überwindet.

Quelle: Andreas Schwendener, Kirchenbote, 4/2011